Dante’s Inferno – Test

15/02/2010 | 11:00 Geschrieben von : Sebastian 2 Kommentare

Dante’s Inferno basiert auf der Göttlichen Komödie, die von dem italienischen Dichter Dante Alighieri kurz vor seinem Tod 1321 vollendet wurde.  Dante’s Inferno nimmt sich dessen an und bietet eine wundervoll abstrus erzählte Geschichte, die durch den nicht minder chaotischen neun Kreisen der Hölle begleitet wird. Und überhaupt ist es äußert interessant zu sehen, wie literarische Kunst in einem Spiel funktioniert.

Dante ist ein gebrochener Mensch, der vieles in seiner Vergangenheit falsch gemacht hat und den falschen Leuten vertraute. Und dann stirbt auch noch seine Geliebte Beatrice durch die Hand eines anderen, die kurz darauf vom Bösen in die Hölle entführt wurde. Das nimmt er natürlich zum Anlass, um sie aus den Klauen des Teufels zu befreien und die Hölle gleichzeitig aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Auf seinem Weg muss Dante durch die neun Kreise der Hölle, die gleichzeitig Todsünden darstellen. So geht es durch Wollust, Gefräßigkeit, Gier, Zorn, Ketzerei, Gewalt, Betrug und Verrat. Begleitet wird Dante bei seinem Abenteuer vom römischen Dichter Vergil, dem der Eintritt in das Paradies verwehrt wird, weil er trotz seiner Rechtschaffenheit nicht getauft wurde und aus vorchristlicher Zeit stammt. Vergil spricht übrigens nur in Zitaten aus der Vorlage.

Das hat uns gefallen

Der beste Spiele-Soundtrack aller Zeiten: Treue Leser wissen, dass wir über Spielemusik berichten und daher ganz besonders genau auf Spielesoundtracks achten. Bei Dante’s Inferno ist es so, dass Garry Schyman (BioShock) und Paul Gorman den Soundtrack komponierten, wobei einige der besten Stücke von Letzterem stammen. Die Qualität der Klänge erreicht bei Dante’s Inferno einen absoluten Höhepunkt, der so noch nie in einem Spiel zugegen war.

Garry Schyman und Paul Gorman legen die Messlatte so extrem hoch, dass selbst Komponisten wie Jack Wall (Mass Effect 2) und Inon Zur (Dragon Age) den Hut ziehen müssen. Der Soundtrack ist fast komplett orchestral gehalten, der permanent mit Chorgesängen die Ohren massiert. Hört man dann plötzlich den Track “Whores of Babylon (Huren von Babylon), zuckt man geschockt zusammen. Frauenstimmen mit großen Schmerz- und Leidensschreien bohren sich tief in das Rückenmark. Jeder einzelne Track ist einzigartig und an die jeweilige Umgebung und das Geschehen auf dem Bildschirm angepasst.

Den kompletten Soundtrack könnt ihr übrigens auch digital bei Amazon und iTunes kaufen. Zwei virtuelle CDs mit insgesamt satten 41 Tracks werden euch hier geboten, was für einen Soundtrack richtig viel ist. Leider ist er (zumindest im Moment) nicht auf Audio CD erhältlich.

Total schräg: Eines der kämpferischen Highlights in Dante’s Inferno sind die Endgegner, die oftmals epische Ausmaße annehmen. Da gibt es z.B. im Abschnitt Wollust Cleopatra, die männliche Spieler mit ihren weiblichen Reizen und den nackten Brüsten ablenkt. Doch dann plötzlich der WTF-Moment: Aus den Brustwarzen kommen Babys heraus, die Sicheln statt Hände haben. Nebenbei machen zudem weibliche Kreaturen dem Spieler zu schaffen, die nicht mit ihrer verführerischen Seite geizen und quasi ein überdimensional großes Geschlechtsteil besitzen, mit dem sie Dante ordentlich in Bedrägnis führen. Darstellen soll das Geschlechtsteil anscheinend den Penis. Ein Szenario ist aber wohl so richtig schräg: Wenn man das erste mal an Wänden hochklettern muss, in denen schreiende Verdammte gefangen sind und die sich darin bewegen. Oder man überquert einen Fluss voller Blut und knochige Arme und Hände versuchen nach Dante zu schnappen.

Hoher Schwierigkeitsgrad: Was für einige Spieler genau richtig ist, ist für die anderen nur nervig. Dante’s Inferno spielten wir auf dem zweitleichtesten oder auch drittschwierigsten Schwierigkeitsgrad. Normalerweise müsste man meinen, dass das Abenteuer dann doch recht gut zu meistern ist, allerdings war es das genaue Gegenteil. Dante’s Inferno ist so bockschwer, dass wir uns gar nicht erst auf einen höheren Schwierigkeitsgrad einließen. Man wird permanent von fiesen Gestalten attackiert, die allerlei Tricks auf Lager haben. Wer hier seine Fähigkeiten und vor allem das Blocken nicht richtig einsetzt, der wird nicht weit kommen. Ein paar unnötige Trial & Error-Passagen aber treiben einem manchmal schon weinerliche Tränen in die Augen. Besonders nervig sind Situationen, in denen für nichteinmal eine Sekunde der Button auftaucht, denn man hätte drücken sollen, damit Dante nicht in die Tiefe stürzt. Immerhin sind Statuen von Beatrice recht fair in dem Spiel verteilt, an denen man seinen Fortschritt speichern kann. Auch die Checkpoints sind meist immer fair.

Das Kampfsystem und die Charakter-Entwicklung: Im Laufe des Spieles sammelt Dante Seelen, die er als Zahlungsmittel einsetzen kann, um diverse Fähigkeiten freizuschalten. Die Fähigkeiten unterscheiden sich zwischen Unheiligkeit und Heiligkeit, wobei beide Dinge erst nach und nach aufgelevelt bzw. ausgeprägter werden. Es handelt sich dabei in der Tat um ein Rollenspiel-Element. Unheiligkeit lässt sich etwa auf Dantes Sense und die Heiligkeit auf Beatrices Kreuz anwenden. Verdammten (bedeutende Personen aus der Geschichte, wie etwa Pontius Pilatus) kann Dante Seelen entziehen, die er wahlweise bestrafen oder gar erlösen kann. Bestraft man eine Seele, rammt ihnen Dante die Sense in den Kopf und es gibt für die Unheiligkeit mehr Punkte, wodurch sich deren Level erhöht und man dadurch mehr Fähigkeiten freischalten kann. Bei der Elösung erhält man Punkte auf die Heiligkeit, wobei man sich diese erst durch eine Art “Guitar Hero” verdienen muss. Egal für welchen Weg ihr euch entscheidet; weitreichende Auswirkungen hat dies nicht. Als ideal gestaltet sich eine gesunde Mischung aus Bestrafer und Erlöser. Letztendlich aber existieren so viele Möglichkeiten, dass es schon fast zu viel wird.

Irgendwann ist man an dem Punkt angelangt, ab dem man teilweise durcheinander kommt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das System dahinter viel tiefgründiger ist. Mit der Zeit finden sich zahlreiche Reliquien, mit denen Dante neue Fähigkeiten abseits der Unheiligkeit und Heiligkeit erhält. Am Anfang sind nur zwei Plätze für die Reliquien vorgesehen, die später aber erweitert werden können. Dadurch kann Dante etwa mehr Schaden anrichten oder er erhält ein paar Bonis zur Aufwertung. Einige der Reliquien sind recht gut versteckt. Wie bereits erwähnt, stehen Dante eine Sense und ein heiliges Kreuz bzw. das Kreuz von Beatrice zur Verfügung. Mit der Sense kann Dante je nach Fähigkeit Gegner in den Boden Rammen, sie zerstückeln oder gar durch die Luft wirbeln. Das heilige Kreuz hingegen dient als Fernkampf-Waffe, ohne das man auf seinem Abenteuer keine Chance hätte. Beide Waffen ergänzen sich hervorragend.

Nun aber zum Kampfsystem. Die einzelnen Fähigkeiten werden durch bestimmte Button-Kombinationen hervorgerufen, die ihr auswendig lernen müsst – viel falsch machen kann man allerdings nicht. Dante’s Inferno bietet typische Hack’n'Slay-Kost. Ihr schnetzelt euch durch Gegnerhorden, erledigt einen Gegner nach dem anderen und der Schweiß tröpfelt so langsam aus den Poren, wenn die Gegnervielfalt immer größer wird und kein Ende in Sicht ist. Einige bestimmte Gegnertypen können zusätzlich durch Finishing-Moves erledigt werden. Dazu drückt man eine Schultertaste und Dante gibt dem Spieler die Möglichkeit, mit sogenannten Quicktime-Events einen verherenden Kill zu starten. Glücklicherweise wird das Ganze nicht zu häufig verlangt und – im Gegensatz zu God of War – gibt es für jeden Move immer die gleiche Tastenbelegung, so dass Frust in diesen Situationen nur selten aufkommt.

Wer große Bestien bezwingen und ihre Kräfte zu seinem Vorteil nutzen möchte, der kann dies auch tun. Dante rammt seine Sense in den Kopf der Bestie und kann sie somit reiten und kontrollieren. Dabei stehen einem einige neue Fähigkeiten zur Verfügung. Entweder man stampft mit den Füßen auf Gegner ein, rammt sie mit den Fäusten aus den Weg oder speit Feuer in ihre Richtung. In etwa der Mitte des Spieles nimmt die Bestie einen noch wichtigeren Part ein, denn dann müssen etwa große Steinblöcke verschoben und einige kleine Rätsel gemeistert werden. Zu dem Zeitpunkt springt man mit der Bestie auch an Wänden herum und versucht dem drohenden Einsturz zu entkommen.


Das hat uns weniger gefallen

Zu viele Wiederholungen: Auch wenn sich die neun Kreise optisch nicht gleichen, so sind sie aber in der Art und Weise, wie sie mit dem Spieler umgehen, oftmals identisch. Man hat auch das Gefühl, als würde die Spielzeit künstlich etwas in die Länge gezogen, da sich einige Passagen oftmals wiederholen und man dadurch nur wenig neue Herausforderungen erhält. Gerade bei den Gegnern schleicht sich die Vermutung heran, dass die Entwickler viel zu schnell die unterschiedlichen Gegnertypen in das Spielgeschehen feuern, weshalb später keine größeren Überraschungen aus dem Bereich zu erwarten sind. Auch in den letzten Abschnitten werden die Überraschungen im Leveldesign immer dünner und die Gegnerwellen immer größer. Irgendwann nerven die Gegnerwellen einfach nur noch.

Der unscheinbare Dante: Spiele leben ja von ihren Hauptcharakteren. In der Göttlichen Komödie ist es Dante, der zur Hölle hinabsteigt. Doch irgendwie wirkt Dante im Spiel austauschbar und zu wenig in den Mittelpunkt gerückt. Das wird besonders durch die Vertonung verstärkt, die nicht ganz so schlecht ist, aber auch nicht so wirklich gut. Einzig die Nebencharaktere glänzen mit einer sauberen Sprachausgabe. Dante hingegen rasselt die Textzeilen herunter und ist trotz seiner Qualen zu unemotional.



Schlusswort

Dante’s Inferno als einen Klon von God of War oder gar Devil May Cry zu bezeichnen, das geht ja nun gar nicht. Vielmehr bedient es sich altbewährter Elemente, gibt noch paar Streusel des zuckersüßen Beigeschmackes altitalienischer Weltliteratur oben drauf und verhüllt all das in einem Mantel voller audiovisueller Feuerwerke, garniert mit einer schrägen Fiktion und einer würzigen Atmosphäre. Es macht Spaß, ein literarisches Kunstwerk interaktiv zu erklimmen. Es macht Spaß, den göttlichen Soundtrack dabei zu hören. Und es macht Spaß, durch die neun Kreise der Hölle von der Couch aus zu schreiten.

Extrem genial sind die real wirkenden Zwischensequenzen, wovon es leider nur sehr wenige gibt, wobei die ebenfalls existierenden Anime-Sequenzen nicht so richtig in das Spiel passen. Auch die grafischen Effekte lassen das Herz schneller schlagen. Entwickelt wurde Dante’s Inferno von Visceral Games, die bereits durch Dead Space glänzten und mit dem Höllentrip bei uns für ein zufriedenes Gesicht sorgten.

Das Spiel könnte interessant sein für: God of War-Fans, künftige Höllenfürsten

Ihr seid über das Review / den Test verwirrt? Wisst nichts mit unserem Maskottchen anzufangen? Dann lest unsere Review-Anleitung.

2 Kommentare (Antworte)

  1. Hacklbern
    15/02/2010

    Danke für den tollen Test. Das Spiel ist so gut wie gekauft. Ich freu mich vor allem auf das coole Szenario.

  2. Hab das Spiel auch und bin begeistert. Ist halt nur etwa schwer. Kann dem Test ansonsten zustimmen.

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