Brütal Legend – Test (Xbox 360)

19/10/2009 | 11:30 Geschrieben von : Sebastian Ein Kommentar

Tim Schafer (Monkey Island, Day of the Tentacle und Psychonauts), Jack Black und Metal. Wenn diese drei Dinge aufeinander treffen, kann es doch nur ein Effekt-Feuerwerk geben. Brütal Legend heißt das Machwerk, das sich seinen Weg in unser Xbox 360-Laufwerk gebahnt hat und uns immer und immer wieder ordentlich ein paar auf die Ohren und Lachmuskeln gab. Wer gegenüber dem Spiel bisher skeptisch war, so wie wir, muss nochmals neu umdenken. Brütal Legend ist ein Schatz, den man höchstens alle 10 Jahre einmal in der Spielewelt ausfindig machen kann. Wir haben uns die Xbox 360-Fassung angesehen und sind seitdem permanent am Headbangen. Let’s Rock.

Doch um was geht es in dem Spiel? Der Hauptcharakter heißt Eddie Riggs und ist das virtuelle Ebenbild von Jack Black, wobei die optischen Parallelen schon etwas verschwimmen. Eddie ist ein Roadie der alten Schule – also ein Bühnenarbeiter – und arbeitet für die NuMetal-Band Kabbage Boy.  Er hält von dem neumodischen Kram nichts und sein Job wird auch immer langweiliger. Und wie es nunmal so kommen muss, muss er dem Frontmann der Band auch noch das Leben retten. Dadurch wird er etwas in Mitleidenschaft gezogen, sein Blut tropft in seine Gürtelschnalle und der Krach beginnt.

Es taucht das riesige Biest Ormagöden auf, macht sich über Kabbage Boy her und rockt im wahrsten Sinne das Haus. Danach findet sich Eddie in einer Parallelwelt wieder, in der richtiger Metal noch existiert. Allerdings wird die Welt vom finsteren Lord Diviculus bedroht und die Menschheit wurde versklavt. Und hier liegt auch Eddies Aufgabe, der alles wieder richten muss.

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Das hat uns gefallen

Brütales Hauptmenü: Ein Hauptmenü ist meistens eher statisch gehalten und erfüllt seinen Zweck. In Brütal Legend aber, wie sollen wir sagen, … es ist einfach das innovativste Hauptmenü aller Zeiten. Alle beginnt mit dem Intro, bei dem Jack Black in einen Musikladen geht und die Scheibe “Brütal Legend” sucht. Als er sie gefunden hat, legt er sie auf den Tisch und da beginnt auch schon das Hauptmenü. Das Menü ist also eine Schallplatte, die ihre besten Tage schon hinter sich hat. Sobald man anfängt zu navigieren, wie etwa Einstellungen oder Neues Spiel anwählt, nimmt Jack Black je nach Option die Schallplatte heraus, dreht sie oder legt sie wieder hinein. Das Ganze wurde nicht animiert oder mit dem Computer erstellt, sondern entstand durch reale Videos.

Brütale Architektur und schräge Charaktere: Tim Schafer hat mit seinem Studio Double Fine wirklich ganze Arbeit geleistet. So, und nicht anders, stellt man sich eine Welt vor, in der Metal allgegenwärtig ist. Leder, Skelette, Motorblöcke, im Boden steckende Riesenschwerter, massive Stahlketten, Chrom, Endstufen, Lautsprecher und Totenköpfe schmücken die hübsche Landschaft. Und auch die Charakere passen einfach optimal in die Szenarie. Da gibt es etwa Headbanger, die Eddie aus einem Steinbruch retten muss, wo sie statt mit Händen zu arbeiten nur mit ihrem “Head bangen”. Oder aber Lionwhyte, der ebenso wie seine eigene Armee pinkfarbene Klamotten trägt und sich in die Kategorie Glamour-Metal einreihen lässt – natürlich ist er stockschwul und benimmt sich auch so. Und dann sind da noch ein paar prominente Gesichter. Motörheads Lemmy Kilmister übernimmt virtuell die Rolle des Kill Masters, der mit seiner Bassgitarre heilen kann. Selbst Ozzy Osbourne ist vertreten und gilt wohl als einer der abgefahrensten Charaktere. Er schlüpft virtuell in die Rolle des Hüter des Metals und versorgt Eddie mit Upgrades zu seiner Axt, Gitarre oder aber auch seinem Auto.

Brütaler Witz und viele Flüche: Permanent macht es boom und Eddie oder eine andere Figur werfen mit witzigen und derben Sprüchen um sich. Alles wird mit einer großen Portion Selbstironie herübergebracht und dürfte für Metal-Fans eine Art heiliges Kreuz für den Altar darstellen. Das Ganze gleicht einem nahezu perfekt inszenierten Animationsfilm, denn neben den Sprüchen beeindrucken auch die dazugehörigen Gesten. So wird vor allem die Mimik sehr stark in den Vordergrund gerückt, was den Charakteren eine gute Glaubwürdigkeit gibt. Ihr könnt per Einstellung selbst bestimmen, ob ihr Wörter und Sätze wie “Du dämliches, abgefucktes Stück Scheiße” hören wollt. Ein weiteres Beispiel, für einen doch recht witzigen Spruch: Ziemlich früh am Anfang fährt man mit seinem Hotrod namens Teufel großen Mächten davon und unter einem bröckelt die Brücke weg. Hat man Pech und Eddie fliegt unbeabsichtigt der Schwerkraft entgegen, fragt er seine geile Schnitte auf dem Beifahrersitz, bevor der Tod sie einholt: “Wollen wir herummachen, bevor wir aufschlagen?” Zuvor wollte Eddie der Schönheit natürlich zeigen, was ein Zungenkuss ist, da man dies in der Metal-Welt anscheinend nicht kennt. Doch leider wurden sie von einem richtig bösen Monster gestört.

Brütales Kampfsytem: Da Eddie im Laufe des Spieles mit ziemlich vielen Gegnern zu tun hat, muss natürlich Verstärkung her. Ihm stehen dabei allerlei verschiedene Verbündete zur Verfügung. Während man auf eigener Faust einfach nur mit seiner Axt und E-Gitarre schnetzelt, ist bei einigen Level-Abschnitten etwas mehr Krips erforderlich. Automatisch wird eine Bühne errichtet, die als Hauptquartier dient. In der Nähe sind Fan-Geysire, die mit einem flotten Gitarren-Solo zum sogenannten Merchandising-Stand umfunktioniert werden. Dadurch werden Ressourcen gesammelt, mit denen man seine Armee zusammenstellen kann. Steht die Truppe erst einmal bereit auf dem Schlachtfeld, kann man ihnen per Knopfdruck verschiedene Befehle erteilen. Uns hat hier besonders gefallen, dass die Entwickler nicht zu sehr in Richtung Strategie-Spiel gingen, da noch immer das Axtschwingen im Vordergrund steht. Eddie kann über das Schlachtfeld fliegen und natürlich selbst mitmischen – muss aber nicht. Das Ganze bietet auch die Grundlage des Mehrspieler-Modus. Übrigens kann Eddie mit seiner Gitarre verschiedene Solos spielen, die ihm auf seinem Abenteuer helfen. Eines davon lässt etwa die Gesichter der Gegner schmelzen.

Brütale Rollenspiel- und Renn-Elemente: Ihr könnt durch Missionen Erfahrungspunkte bzw. Feuertribute  sammeln, die sich beim Hüter des Metals einlösen lassen. Sofern man denn die Motorenschmiede heraufbeschworen hat, bietet Ozzy Osbourne  jede Menge Upgrades für Eddie und seinen Hotrod “Teufel” an.  Eddie kann etwa seine Axt mit Feuer oder Blitzen ausrüsten, um mehr Schaden zu verursachen. Gleiches gilt bei der Gitarre, wobei hier die Saiten verändert werden. Cooler aber ist Eddies Hotrod, der sich sich ordentlich aufmotzen lässt. Egal ob fette Gatlings, Feuerfontainen aus der Seite oder einfach nur Minen. Mit dem Hotrot kann sich Eddie schneller in der völlig frei begehbaren Welt fortbewegen und Monster über den Haufen fahren. Es exisitieren sogar Passagen, in denen er mit seinem Teufel gegen ein anderes Gefährt antreten muss. Hier gilt das Prinzip: Wer der Erste im Ziel ist, hat das Rennen gewonnen.

Brütaler Soundtrack: Was kann man schon von einem Spiel erwarten, das sich rund um Metal dreht? Natürlich Metal, Metal, Metal und ein paar storybedingte Tracks zum eher neumodischen Kram. Was euch hier ewartet, ist einfach nur einer der geilsten Soundtracks, die es je in einem Spiel gegeben hat. Das Ganze harmoniert so wunderbar zusammen, dass man sich in Brütal Legend wohlfühlt – selbst wenn man kein Metal-Fan ist. Insgesamt 100 Songs von 75 Bands wurden auf den Datenträger gepresst. Manowar, Marily Manson, Motörhead und Slayer sind nur einige. Und das Beste: Im Hotrod wurde ein Radio eingebaut, mit dem sich die Songs durchschalten lassen.

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Das hat uns weniger gefallen

Teils brütal langweilige Nebenmissionen: Während man bei den Hauptmissionen sanft auf ein Nagelbrett durch eine herrlich seltsam anmutende Spielwelt getragen wird, sind die Nebenmissionen eher von der gemächlichen Sorte. Sie machen Spaß, unterhalten auch in ihrer Art und Weise, doch irgendwie fehlt der gewisse Schwung. Das Problem sind aber vielmehr die Wiederholungen, was für ein Openworld-Spiel nicht gerade untypisch ist. Mal müsst ihr jemanden befreien oder einfach nur ein Rennen mit eurem Teufel absolvieren.

Teilweise brütal unübersichtlich: Wenn es zu Kämpfen kommt, in denen die Bühne ausgefahren wird und zahlreiche Gegner auf dem Schlachtfeld schon Eddies Blut riechen, dann kommen auch gerade durch die eigenen Einheiten viele Kämpfer zusammen. Mitunter wirkt dann alles viel zu unübersichtlich, was Eddie manchmal etwas untergehen lässt. Einzig die Flügel heben ihn in die Höhe, allerdings kann er dann nicht angreifen. Das Ganze ist aber nicht nur im Strategie-Action-Teil zu beobachten, sondern auch in den Kämpfen, bei denen Eddie alleine dasteht. Aber Unübersichtlichkeit gehört anscheinend mit dazu.

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Schlusswort

review_award So richtig lässt sich Brütal Legend in kein Genre einordnen. Es ist eine Mischung aus Openworld, Action, Hack&Slay, Rollenspiel, Strategie und Rennspiel. Und das ist verdammt cool. Was uns Double Fine hier auf den Tisch haut, grenzt schon fast an sadomasochistischer Körperverletzung der besonderen Art. Besonders die verdammt geile Mischung aus Witz, Charakter- und Art-Design, Musik sowie die verschiedenen Genres machen Brütal Legend zu einem der wohl besten Spiele der letzten Jahre. Die Ohren werden permanent mit roher Gewalt massiert, die Augen schwanken zwischen genialer Aufmachung und vielen Details hin und her und der Trieb im Manne wird mit Schnetzeleien befriedigt, die meterweit das Blut spritzen lassen. Brütal Legend wurde zu recht gehyped und ist mehr als Hommage an den Metal zu verstehen. Wer eine Xbox 360 oder PlayStation 3 besitzt, muss einfach zugreifen. Und Metal-Fans werden Brütal Legend ohnehin vergöttern. Die Story und einige Spiel-Elemente bieten das Potential für einen Nachfolger. Wir freuen uns auf Brütal Legend 2.

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Infos: Brütal Legend wurde von Double Fine entwickelt und von Electronic Arts vertrieben. Das Spiel erschien am 15. Rocktober 2009 für Xbox 360 und PlayStation 3. Brütal Legend wurde mit “Freigegeben ab 18” gekennzeichnet.

Ihr seid über das Review / den Test verwirrt? Wisst nichts mit unserem Maskottchen anzufangen? Dann lest unsere Review-Anleitung.

1 Kommentar (Antworte)

  1. Yeah, das Spiel rockt im wahrsten Sinne! :-D Cooles Review, ist gekauft!

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